Frauenrechte in Nepal

Jun 23 2013

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Unterdrückung in allen Lebensbereichen

Nepal ist weit von einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen entfernt, die Unterdrückung zieht sich durch alle Lebensbereiche. Arrangierte Ehen, teilweise im Kindesalter, Traditionen, welche auf Aberglauben beruhen, Besitzlosigkeit, Ausbeutung, Mädchenhandel um nur einige zu nennen.

Ausbeutung und Besitzlosigkeit

Obwohl Frauen oft wesentlich härter und länger arbeiten als Männer werden sie kaum gewürdigt. Bedingt durch frühe Zwangsheirat und Hausarbeit, bleibt vielen Mädchen eine Schulbildung verwehrt, es ist dann nicht wunderlich das weit über 70% der Nepalesinnen Analphabeten sind. Alle Arbeiten die im Haus anfallen sind Frauensache. Wäsche waschen, kochen, putzen, Kinder versorgen und einkaufen. In den meisten Familien trägt die Frau das Essen auf und bedient alle, sie isst aber als letztes, es hängt dann von der Gunst des Mannes ab, wie viel die Frau bekommt. Auch wenn Vater oder Ehemann sterben, bleibt den Frauen häufig nichts, kein Eigentum. Zunächst dürfen sich nämlich die männlichen Verwandten an den Hinterlassenschaften des Verstorbenen bedienen. Auch bei einer Ehescheidung geht eine Frau meistens leer aus.

Frauen –und Kinderhandel

Ein weiteres großes Problem ist der Frauen- und Kinderhandel. Wegen der unmittelbaren Nähe zu Indien sind Frauen und Kinder schnell und unauffindbar verschleppt. Einige bleiben in Indien, andere werden in Golfstaaten gebracht. Frauen arbeiten entweder zu unmenschlichen Bedingungen in Haushalten oder als Prostituierte. Kinder arbeiten in Restaurants, Läden, als Lastenträger oder im Zirkus.

Aberglaube Chaupadi

Während der Menstruation treffen Frauen menschenverachtende, schlichtweg auf Aberglauben beruhende Regeln, welche nichts mit Religion zu tun haben. 10% der Frauen, meist in ländlichen Regionen müssen diese Zeit in einem dunklen Raum oder gar im Kuhstall verbringen. Manche Frauen müssen sich in eine 60 x 60 cm kleine, aus Lehm, Stroh und Holz gefertigte Hütten zurückziehen. Manchmal gibt es eine Gemeinschaftshütte für alle Frauen des Dorfes. Zusammengerechnet verbringen Frauen acht Jahre ihres Lebens in solchen Hütten.

In dieser Zeit sind Frauen schutzlos den Witterungsbedingungen ausgesetzt und nicht selten werden sie dort Opfer von Vergewaltigungen. Bekommt der Ehemann dies mit, verlässt er seine Frau und sucht sich eine Neue. Für die Frau ist das Leben vorbei, sie wird nutzlos. Wegen ihrer Blutungen werden sie als unrein betrachtet. Dieser „Brauch“, welcher 2005 für rechtswidrig erklärt wurde, aber doch überall in ländliche Regionen praktiziert wird, nennt sich Chaupadi. Mediziner nennen den Chaupadi Brauch häufig als einen der Gründe für eine hohe Rate an Uterusvorfällen in Westnepal. Dies ist nicht nur in ländlichen Regionen allgegenwärtig, sondern in abgeschwächter auch in der Hauptstadt Kathmandu anzutreffen.Während der Menstruation ist es auch untersagt, Hausarbeiten zu verrichten (kochen, Wasser holen etc.) oder die Küche zu betreten, es muss jeden Tag die Kleidung gewechselt werden, ist das Wasser im Winter auch noch so kalt, man wird zum Duschen gezwungen. Es ist auch verboten Milchprodukte zu konsumieren, diese würden sonst sauer werden. CARE Nepal und andere nationale und internationale Organisationen arbeiten daran, dass das Gesetz eingehalten wird und dass sich die Bräuche langsam verändern.

Arrangierte Ehen und die Beziehung zwischen Mann und Frau

In Nepal, Indien und anderen vom Hinduismus geprägten Ländern ist es seit jeher Tradition, dass Ehen arrangiert werden. Diesbezüglich gibt es viele Regeln, welche durch das Kastensystem bestimmt werden.

Man sollte dies nicht zu einseitig betrachten, da die Rechte der Männer natürlich auch missachtet werden, es gibt vielen Hochzeiten, bei denen beide weinen und das nicht vor Freude. Ich war schon auf einer Hochzeit eingeladen, da haben, die beiden, welche Heiraten sollen, noch nicht einmal etwas davon gewusst. Auch wenn “love marriages” oder Ehen, die auf die Wahl der beiden Partner hin geschlossen wurden, ein zunehmendes Phänomen sind, so entspricht die Realität für 90% der Bevölkerung doch einer durch Eltern oder Verwandte arrangierten Ehe. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen durchläuft jedoch auch das Konzept der arrangierten Ehe einen Wandel, der sich vor allem in der stärkeren Beteiligung der heiratsfähigen jungen Menschen am Auswahlprozess ihrer zukünftigen Ehepartner zeigt. In der Stadt wird es aber immer geläufiger, dass man sich vor der Hochzeit Kennen –und Lieben lernt.

Für Männer ist es kein Problem zwei, drei oder noch mehr Freundinnen gleichzeitig zu haben, Frauen hingegen müssen genau prüfen worauf sie sich einlassen. Oftmals zwingen die jungen Männer die Freundinnen noch vor der Heirat zu Sex. Wird das Mädchen dann schwanger ist es das gesellschaftliche Aus für sie. Der Mann wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit während der Schwangerschaft verlassen, sie bleibt allein zurück. Die Selbstmordrate unter jungen Frauen ist erschreckend hoch.

Auch bei der Anrede werden Frauen herabgestuft. Man verwendet im Nepali 4 Höflichkeitsformen, von herabwertend, beleidigend bis zu einer, welche so viel bedeutet wie:  „Eure Majestät“. Die Frau hat ihren Ehemann mit der höchsten Höflichkeitsformel anzusprechen. Die unterste Form verwendet man für ungezogene Kinder, Beleidigungen, Tiere und oft auch für seine Ehefrau.

Nur ganz langsam vollzieht sich in Nepal ein Wandel, man löst sich von althergebrachten Traditionen, wir können hoffen, dass Frauen in Nepal, irgendwann nicht mehr als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden.

Quellen:
www.suedasien.info
www.95-asien.s-cool.org
www.care.de
www.dw-world.com
www.yamajola-nepal.de
www.eann.de/
www.misereor.dewww.hrw.org/
www.amnesty.de/